Vanessa (26):

Frauen! Ich war nicht ich selbst. Ich habe gemacht, was andere wollten

An alle Frauen auf dieser Welt, ich hoffe wirklich von ganzem Herzen, dass dieser Brief gelesen wird, denn das wäre das einzig Positive, was ich aus meiner Abtreibung herausholen kann.
Ich bin 26 und befinde mich für drei Monate in Amerika, um hier ein Praktikum zu machen. Ich habe seit einem Jahr einen Freund, der 30 ist und den ich so liebe wie noch nie jemanden zuvor. Drei Wochen nachdem ich in Amerika ankam, stellte ich fest, dass ich schwanger war und zwar gerade am Anfang. Bis ich den Test machte, hatte ich eigentlich schon die ganze Zeit das Gefühl schwanger zu sein. Ich habe es geahnt, auch wenn es nicht geplant war…
Nun stand ich da, in einer Stadt namens Atlanta, in einem Haus, in dem ich ein Zimmer gemietet hatte – ganz allein – mit dem Test, der mir die Nachricht brachte. Über der Toilette hing ein Spiegel und ich sah mein Gesicht… Erst habe ich gelächelt und dann habe ich geweint. Mein Instinkt war es, mich zu freuen, denn ich sollte ein Baby bekommen von dem Mann, den ich über alles liebe. Aber dann habe ich geweint, denn ich hatte Angst vor der Reaktion der anderen. Und dies war berechtigt, denn was ich mir anhören musste, war nicht was ich mir wünschte: “WAS, jetzt ein Kind?? Ihr seid doch noch nicht lange zusammen. Ihr habt doch nicht genug Geld. Ihr streitet doch so oft. Ihr wohnt ja noch nicht mal zusammen!” Mir war das alles egal. Ich bin eine Kämpferin und wusste, es würde kein Problem sein, all das in den Griff zu bekommen. Doch leider wurde die Kämpferin zu einem schwachen, traurigen Kleinkind, als die Reaktion meines Freundes kam. “Wir sind doch noch nicht bereit für ein Kind. Wir kennen uns noch nicht gut genug, um diesen Schritt zu gehen.” Um es kurz zu machen: Alle sagten mir, mach es nicht! Und damit war klar, dass ich abtreiben sollte. Ich habe mich so in all das Gerede hineingesteigert, dass ich – die Frau, die immer gegen Abtreibung war – vorm Computer saß, um Abtreibungskliniken zu finden. Ich dachte, sie hätten alle Recht, hinterher sitze ich noch als allein erziehende Mutter da und keiner will mich. Ich wollte doch auch erst heiraten…
Dann ging es ganz schnell. Am Tag der Abtreibung kam mein Freund für drei Tage aus New York. Ich holte ihn am Bahnhof ab und vier Stunden später saßen wir in der Klinik. Mein Blut wurde getestet, ich musste 350 Dollar bezahlen und man sagte mir, ich sei in der 7. Woche. Ich hatte keine Zeit, meinen Freund noch einmal zu umarmen.
Ich wurde in ein Zimmer gebracht und bekam Valium. Dann bekam ich eine Tablette unter die Zunge gelegt. Ich sollte mich ausziehen und auf einen Stuhl legen. “In 30 Minuten kommt der Arzt”, sagte die Schwester. Sie verließ das Zimmer und schloss die Tür. An der Tür hing ein riesengroßer Spiegel, in dem ich sehen konnte, wie ich auf diesem Stuhl lag. Ich habe so gezittert und mir war so kalt. Ich fühlte mich so schlecht, wie noch nie… Ich habe furchtbar geweint und darauf gewartet, dass das Valium wirkt. Aber nichts geschah. Es lief das Radio und ich hörte Liebeslieder. Wo war bitte die Liebe in diesem Moment? Ich habe so geweint, ich war so traurig. Dann kam ein Arzt rein. “OK, es geht jetzt los,” sagte er und zog sich Gummihandschuhe an. Ich fragte, ob er der Arzt sei, denn er hatte sich nicht mal vorgestellt. Dann hörte ich so etwas, wie das Geräusch eines Saugers… Ich hatte keine Narkose, ich war voll da, habe alles miterlebt und die Schmerzen… Ich konnte es nicht aushalten. Ich bin immer in meinem Stuhl hoch gerutscht. Die Schwester hielt mich fest. Dann wurde es zuviel. Ich schrie. Mein Körper hat sich so gewehrt, aber man hat mir einfach die Hand vor den Mund gehalten und gesagt “SSSHHHHHHH”. Nach einigen Minuten wurde es ruhig und der Arzt sagte, es sei vorbei. Dann kamen die schlimmsten Schmerzen: Mein Bauch blähte sich so auf… ich dachte wirklich ich sterbe. (Der Uterus bläht sich danach auf und geht nach einigen Minuten wieder zurück.) Ich habe so gezittert und geweint. Ich sagte: BITTE LASST MICH NICHT ALLEINE. Den Arzt, den ich in diesem Moment so hasste, bat ich, bei mir zu bleiben und meine Hand zu halten. Ich bat darum, meinen Freund zu sehen, aber das durfte ich nicht. Man bat mich aufzustehen. Ich konnte aber nicht aufstehen. Also haben die Schwestern mich aufgerichtet und mir gesagt, ich solle meine Hose anziehen. Ich stand da und versuchte in meine Hose zu kommen, während die Schwestern am anderen Ende standen und sich Geschichten erzählten. Man bot mir einen Apfelsaft an und ich nahm dankend an, mit zitternden Händen und dem Gesicht voller Tränen. Danach hatte ich die Möglichkeit alleine in einem Zimmer zu ruhen oder ins Wartezimmer zu gehen, um meinen Freund zu sehen. Ich entschied mich für meinen Freund. Als ich das Zimmer betrat, fing er an zu weinen. Ich muss wohl so schlimm ausgesehen haben… Ich bekam noch einige Medikamente mit auf den Weg und dann wurden wir abgeholt…
Frauen!!! Ich war nicht ich selbst. Ich habe das gemacht, was andere wollten, aber es war nicht was ich wollte. Ich war zwar die Person, die auf dem Stuhl lag, aber ich war so beeinflusst. Ich dachte daran, alleine mit einem Kind zu sein und der ganze Mist. Dass es aber MEIN Kind sei, dass ich es über alles lieben würde, weil es ein Teil von mir war, dass es mit keiner Liebe zu einem anderen Menschen vergleichbar sein würde: daran habe ich nicht gedacht. Diese große Liebe war schon da, und zwar von Anfang an. Ich habe das Leben von einem Teil von mir unterbrochen! Damit werde ich immer Leben müssen und ich bereue es so sehr. Alle um mich herum sagen, sie bereuen es aber was bringt mir das?? Mein Baby ist tot! Und ich muss immer daran denken wie ich auf diesem Stuhl saß, bis an mein Lebensende! Ich glaube an Gott und daran, dass alles einen Grund hat. Ich musste das alles so erleben, damit ich euch sagen kann: EGAL WIE DIE UMSTAENDE SIND, MACHT ES NICHT! Es ist unnatürlich und abartig. Sicherlich bin ich an einen sehr unprofessionellen Arzt geraten und war bei vollem Bewusstsein, was in Deutschland nicht passiert. Aber der Ablauf ist immer derselbe, auch wenn ihr dabei unter Narkose seid. Der Körper stellt sich auf ein Baby ein und wir Menschen reißen es wieder heraus! DAS IST NICHT OK UND EINFACH NUR GRAUSAM! Glaubt ihr, dass ihr in dem Moment, wo ihr das Baby seht, noch daran denken werdet, wie es wäre, wenn ein Mann euch wegen des Kindes nicht will? Es ist EUER Kind und der Instinkt einer Frau ist es, dieses zu schützen. Deswegen ist es absolut unmenschlich sein eigenes Kind zu töten… Wenn von hundert Frauen 99 jetzt den Kopf schütteln und eine davon mich versteht, dann konnte ich wenigstens ein Leben retten. Ein Leben, von dem wir heute noch nicht wissen, was Gott großartiges damit vorhat…

 

Vanessa

 

Quelle: www.pro-leben.de


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